Startup-Finanzierung in der Schweiz: Runden, Investoren und staatliche Förderung

Die Schweizer Startup-Landschaft: Aktuelle Entwicklungen

Im Jahr 2024 wurden in der Schweiz rund 53.000 Unternehmen gegründet, was einem Zuwachs von etwa 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Kanton Zürich führt mit 9.621 Neueintragungen, gefolgt von der Waadt (5.289), Bern (4.369) und Genf (4.244). Bei den Branchen dominieren Unternehmensdienstleistungen mit 5.617 Gründungen sowie Unternehmens- und Steuerberatungen (5.219) und der Einzelhandel (4.363).

Die Finanzierungslage bleibt jedoch herausfordernd: Die Investitionen in wissensbasierte Jungunternehmen gingen 2024 um 8,5 Prozent zurück und summierten sich auf 2,4 Milliarden Franken. Die Zahl der Finanzierungsrunden sank von knapp 400 auf 357. Dabei zeigt sich eine gleichmässigere Verteilung: Bei der Hälfte aller Runden flossen drei oder mehr Millionen Franken zu – ein Zuwachs von 40,7 Prozent gegenüber 2023. Besonders positiv entwickelte sich die Biotech-Branche mit einem Plus von 50 Prozent auf 739,2 Millionen Franken, während ICT und Fintech weiter rückläufig waren.

Von der Idee bis zum Börsengang: Finanzierungsrunden im Überblick

Die Finanzierung von Start-ups verläuft typischerweise in verschiedenen Phasen, wobei die Investitionssummen und Unternehmensbewertungen je nach Reifegrad variieren.

Pre-Seed und Seed-Phase

Die Pre-Seed-Phase bildet den Anfang: Gründer leben häufig vom Ersparten oder finanzieren erste Ausgaben durch die sogenannten 3 F's – Family, Friends and Fools. Zunehmend engagieren sich hier auch Inkubatoren, Acceleratoren und ausgewählte VC-Fonds mit geringen Beträgen.

In der Seed-Phase steigt das Risiko eines Zahlungsausfalls noch immer hoch. Investoren wie spezialisierte VC-Fonds diversifizieren ihr Kapital über verschiedene Start-ups, um das Risiko zu minimieren. Im Gegenzug für das hohe Risiko erhalten sie Eigenkapitalanteile und die Chance, sich früh an potenziell lukrativen Ideen zu beteiligen.

Series A und Wachstumsphase

Sobald ein überzeugendes Geschäftsmodell etabliert ist, folgen Seed-Runden (Series A, B, etc.), die Markteintritte, Produktion, Marketing und Vertriebsaufbau finanzieren. Mit jeder Runde steigen üblicherweise die Finanzierungssummen und Bewertungen.

In der Wachstumsphase sucht das Start-up Mittel für Produktentwicklung, Expansion oder Akquisitionen. Private Equity-Fonds, Hedge Funds und Banken treten als Geldgeber auf, da das Risiko sinkt und das Unternehmen bereits erfolgreiche Produkte am Markt etabliert hat.

Börsengang (IPO)

Beim Initial Public Offering (IPO) erhält die Öffentlichkeit erstmals direkten Zugang zum Unternehmen. Dieser Schritt ermöglicht grossen Finanzierungsnutzen, steigert die Markenbekanntheit und eröffnet Gründern Exit-Möglichkeiten. Investmentbanken und Anwälte begleiten den regulatorisch anspruchsvollen Prozess.

Finanzierungsquellen und Investorentypen

Eigenkapital und klassische Fremdfinanzierung

Als Faustregel sollten Gründer 20 bis 30 Prozent des Kapitals aus eigenen Mitteln bereitstellen, bei risikoreichen Geschäften mehr. Mögliche Quellen sind Ersparnisse, der Verkauf von Wertpapieren oder Sachleinlagen. Bei Einzelfirmen und Kollektivgesellschaften können Gründer auch auf Pensionskassenguthaben (Vorbezug) oder Säule-3a-Kapital zugreifen.

Bankkredite bleiben für Start-ups schwierig: Fehlende Sicherheiten und unsichere Geschäftsentwicklung führen zu hohen Zinsen oder Ablehnungen. Als Alternative bieten sich Darlehen von Privatpersonen an, die oft zinsgünstiger oder zinslos gewährt werden – allerdings nur mit vertraglicher Absicherung, da emotionale Komponenten das private Verhältnis belasten können.

Business Angels und Venture Capital

Business Angels sind erfahrene Investoren, die neben Kapital Know-how, Netzwerke und strategische Beratung einbringen. Business Angels Switzerland (BAS) ist eine der grössten Organisationen dieser Art. Sie bevorzugen oft Pitch-Decks statt umfangreicher Businesspläne und investieren typischerweise in frühen Phasen.

Venture Capitalists agieren als Firmen oder Fondsgesellschaften mit professionellen Strukturen. Sie wählen Start-ups nach strengen Kriterien aus, meist in Technologie- oder IT-Branchen, mit Beteiligungen ab einer halben Million Franken und zweistelligen Millionenumsatzpotenzialen.

Ziano Ventures, die Beteiligungsgesellschaft von Roland Brack, fokussiert sich auf Early-Stage-Finanzierungen und strebt Beteiligungen von 5 bis 25 Prozent an Schweizer Start-ups in den Bereichen Technologie, Konsumgüter und Dienstleistungen an.

Crowdfunding und Crowdlending

Über Online-Plattformen können Start-ups Kapital von vielen kleinen Investoren sammeln. Die Schweiz zählt rund 24 aktive Plattformen, die sich in drei Kategorien unterteilen:

Das Marktvolumen des Schweizer Crowdfundings lag 2023 bei 558,7 Millionen Franken (Rückgang von 15,6 Prozent). Crowdlending bleibt das volumenstärkste Segment. Plattformen wie Crowdify bieten zusätzlich Marketingtools und Reichweite durch Medienpartnerschaften, während CONDA.ch nachrangiges Crowdkapital als Ergänzung zu Bankfinanzierungen anbietet.

Staatliche Förderung und Unterstützungsprogramme

Bund und Kantone bieten diverse Unterstützungsmöglichkeiten, wobei Kleinstunternehmen häufiger von kantonalen Programmen profitieren.

Förderung durch den Bund

  • Bürgschaften für KMU: Bürgschaftsgenossenschaften erleichtern den Zugang zu Bankkrediten bis maximal 1 Million Franken
  • Innosuisse: Förderung von Forschungszusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen sowie Begleitung von Start-ups
  • Technologiefonds: Bürgschaften bis 3 Millionen Franken für Innovationen im Bereich Nachhaltigkeit
  • Eurostars: Internationale F&E-Projekte mit bis zu 50 Prozent Förderung
  • Arbeitslosenversicherung: Taggelder für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit (max. 90 Tage) und Bürgschaftsgarantien

Kantonale Unterstützung

Die Kantone bieten Standortförderung mit Angeboten wie Hilfe bei der Standortsuche, Vermittlung von Bankkontakten, kostengünstige Unternehmensberatung, Beteiligung am Eigenkapital, Investitionskostenbeiträge, Steuererleichterungen und übernehmen teilweise Bürgschaften. Die Adressen der Wirtschaftsförderungen sind auf dem KMU-Portal des SECO verfügbar.

Sonderfall: Gründung als Ausländer in der Schweiz

Ausländische Gründer können in der Schweiz eine GmbH oder AG gründen, unabhängig von Wohnsitz und Nationalität. Voraussetzungen sind:

  • Ein Firmensitz in der Schweiz (gemietete Räumlichkeiten, Wohnsitz einer beteiligten Person oder Treuhanddomizil)
  • Mindestens eine in der Schweiz wohnhafte Person mit Einzelzeichnungsberechtigung im Handelsregister
  • Kein Immobilienhandel ohne Bewilligung gemäss Lex Friedrich (BewG 2 I)

Eine Kollektivunterschrift zu zweien ist ausreichend, wenn mehrere Schweizer Vertreter eingetragen werden.

Jungunternehmerpreise und Wettbewerbe

Preisausschreiben bieten nicht-kapitalkgebundene Finanzierungshilfen:

  • W.A. de Vigier Awards: 100.000 Franken für die fünf Bestplatzierten
  • Swiss Medtech Award: 75.000 Franken für Medizintechnikunternehmen
  • i4Challenge: Förderung für Industrie-4.0-Projekte mit Mentoring und Netzwerkzugang
  • STAGE UP: Preisgelder bis 10.000 Franken für Jungunternehmer